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Hassliebe

Von Barbara Maey | 25. April 2022

Weinmessen haben auf den ersten Blick nichts Attraktives an sich. Warum mich mit ihnen dennoch eine Hassliebe verbindet...

Endlich – nach zwei Jahren Zwangspause finden wieder Weinmessen statt! Mit diesen Anlässen verbindet mich eine Art Hassliebe. Ich freue mich immer auf sie, auch wenn die Umstände eher widrig sind: die Messehallen stehen an Unorten am Stadtrand oder in der Nähe der Flughäfen, in den Hallen ist es laut, oft herrscht ein Gedränge, es gibt kein Tageslicht, die Luft ist schlecht und die Verpflegung ebenso…

Aber es ist der Ort, an dem ich die Beziehung zu meinen Produzentinnen und Produzenten pflege und Neues entdecke. Manche stellen sich den Weineinkauf wohl etwas romantischer vor: Besuche auf den Weingütern mit ausgedehnten Degustationen, Spaziergängen durch die Weingärten, gemütliches Abendessen – natürlich mit Weinbegleitung. Das kommt durchaus auch vor, auf den meisten Weingütern meiner Produzenten war ich schon persönlich. Doch kann ich natürlich nicht jedes Jahr kreuz und quer durch Europa reisen und allen einen Besuch abstatten. An den Messen probieren wir zusammen die neuen Jahrgänge, besprechen den Wetter- und Geschäftsverlauf, die letzte Ernte, das Neuste aus der Familie und so weiter. Vielleicht reicht es mal für ein Mittagessen mit dem einen oder der anderen.

Um Neues zu entdecken, schlendere ich nicht ziellos durch die Messe und mache Halt, wo es interessant aussieht. Die Zeit ist kostbar an diesen Anlässen, es liegt nicht drin, einfach so ins Blaue zu degustieren und dann herauszufinden, dass ein Weingut schon gut vertreten ist in der Schweiz (womöglich bei einem Grossverteiler) oder keinen Wert auf Nachhaltigkeit legt. Deshalb recherchiere ich im Vorfeld der Messen gründlich und mache Termine mit potenziell neuen Weingütern ab; die Tage sind eng getaktet.

Als nächstes fahre an die Slow Wine Fair in Bologna. Sie ist ziemlich klein und übersichtlich, zudem ist das Kriterium «nachhaltig» bereits erfüllt. Da werde ich mir sicher Zeit freihalten, um mich etwas treiben zu lassen. Wer weiss, vielleicht mache ich ja die grosse Entdeckung. Ich freue mich auf jeden Fall schon!

Zur Autorin

Im Wein soll die Wahrheit liegen, sagten die Römer. Und die ist bekanntlich subjektiv – genauso wie Wein letztlich Geschmackssache ist. Barbara Maey bloggt als La Terroiriste über ihre Wahrheiten und Lieblingsweine, aber auch über Anbaumethoden und den gesellschaftlichen Umgang mit Alkohol. Viel Spass bei der Lektüre!


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